Brief an die orthodoxe Kirche
Leider haben wir keine Texte zur Orthodoxen Kirche gefunden. Deshalb hat ein Tierfreund einen Brief an das orthodoxe Oberhaupt nach Istanbul geschrieben.
Der Brief:His All Holiness Bartholomew
Archbisop of Constantinople
Rum Patrikhanesi
Ferner-Halic
TR 34220 Istanbul
Türkei
19.7.2002
Sehr geehrter Herr Patriarch,
der deutsche Zeitung Frankfurter Allgemeine vom 19.6.2002 entnahm ich, dass Sie sich seit Jahren intensiv mit Themen der Umwelt- und Naturschutzes beschäftigen. Das begrüße ich sehr.
Nun würde ich gerne einige Fragen an Sie richten, die mir schon seit längerem unter den Nägeln brennen: Wie sieht es mit den Aussagen des Christentums zu den Tieren aus? Im Katechismus z.B. der katholischen Kirche werden Tierversuche gerechtfertigt, und es wird ausgesagt, dass der Mensch den Tieren nicht die Liebe zuwenden sollte, die er Menschen zuwendet. Die protestantische Kirche bezieht zum Thema Tierschutz keine klare Stellung, sie protestiert auch nicht z.B. gegen die Tierquälerei, die in unserer hoch entwickelten Zivilisation leider an der Tagesordnung ist.
Um so bemerkenswerter fand ich in dem erwähnten Artikel, dass Ihnen als dem Vertreter der orthodoxen Konfession offenbar die Natur sehr am Herzen liegt. Nun komme ich zu meinen Fragen:
1. Wie sehen Sie die Frage der Tierversuche? Darf der Mensch Tiere grausam
quälen, obwohl es sehr fraglich ist, ob man die Ergebnisse überhaupt
vom Tier auf den Menschen übertragen kann?
2. Darf der Mensch Tiere auf engsten Raum zusammenpferchen und unter grausamen
Umständen über lange Strecken transportieren, wie es in der industriellen
Massentierhaltung täglich geschieht? Hinzu kommen noch die schädlichen
Auswirkungen der Massentierhaltung für die Umwelt: Luftverschmutzung
durch Exkremente und Methangase, Wasserverschmutzung, Beeinträchtigung
des Bodenlebens durch Überdüngung und vieles mehr.
3. Wie sieht es auch christlicher Sicht mit dem Schlachten und Verzehren
von Tieren aus? Am Beginn der Genesis empfiehlt Gott den Menschen die Früchte
des Feldes als Speise - also die vegetarische Ernährung. Später
dann heißt es (bei der Geschichte von Noah) Alles, was sich regt,
sei eure Speise. Der Mensch solle Schrecken unter den Tieren verbreiten
und sie jagen. Das soll Gott zu Noah gesagt haben, der doch gerade eben
erst die Tiere gerettet hat! Ist das nicht ein Widerspruch? Kann es nicht
sein, dass hier durch die Priesterkaste etwas von den Worten Gottes gefälscht
wurde? Denn wie kann Gott, der Allmächtige, sich widersprechen? Ähnliches
gilt übrigens für die Aufrufe Gottes zu grausamen Tieropfern und
sogar zum Völkermord an den Feinden Israels. Kann das der Gott der
Liebe gesagt haben? Oder haben Menschen das nach ihrem menschlichen Willen
verändert?
4. Wie sieht es mit der Jagd aus? In Italien wurde in bestimmten Naturschutzgebieten
die Jagd abgeschafft, ohne dass irgend eine Tierart sich zu stark vermehren
würde. Die Tiere regulieren sich selbst. Ist die Jagd, bei der Tieren
so viel Leid geschieht, aus christlicher Sicht gerechtfertigt?
Es würde würde mich freuen, zu erfahren, wie Sie als einer der maßgeblichen rechtgläubigen Christen diese Dinge sehen. Vielleicht kann ja von Ihrer Kirche ein Impuls ausgehen, um solche Fragen im Sinne eines ethisch verantwortlichen Christentums neu zu überdenken
Mit freundlichen Grüßen,
Ein Tierfreund
Bisher ist auf diesen Brief leider keine Antwort gekommen. Kennen Sie eine Antwort der orthodoxen Kirche zu diesen Themen, dann informieren Sie uns bitte.
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