Was ist die Terrane Ernährung?
Auch Pflanzen wollen geachtet werden
»Was die Erde gibt«
Unter »terran« versteht man »was die Erde gibt«, also was die Natur an Früchten und Pflanzen schenkt, ohne dass die Pflanze bei der Ernte Schaden nimmt: Das Ziel einer Terranen Landwirtschaft ist also, vermehrt Pflanzen anzubauen, die dem Boden nicht entrissen werden müssen, sondern auch nach der Ernte weiterleben. Das ist konsequent zu Ende gedachter Naturschutz. Denn so, wie aktiver Tierschutz bedeutet, keine Tiere zu quälen und zu töten, so beinhaltet aktiver Natur- und Pflanzenschutz, keine Pflanzen zu zerstören, also zu töten. Manchen mag das Wort »töten« im Zusammenhang mit Pflanzen irritieren. Doch zeigen wissenschaftliche Studien, dass Pflanzen ebenfalls Empfindungen haben und dass sie auf ihre Umwelt reagieren. Auch haben viele Menschen die Erfahrung gemacht, dass ihre mit viel Zuwendung gepflegten Pflanzen wunderbar gedeihen, und dass sie es mit üppigem Wachstum danken, wenn man gar mit ihnen spricht. So drückt sich in einer Terranen Ernährung die Achtung vor allen Pflanzen, vor allen Lebensformen aus. Sich ausschließlich von dem zu ernähren, was die Erde freiwillig gibt, klingt radikal – doch geht der Weg Schritt für Schritt:
Mehrjährige Früchte
Viele heute bekannten Obst- und Gemüsesorten erfüllen bereits den Anspruch einer Terranen Ernährung: Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen usw., Walnüsse, Haselnüsse, auch alle Beeren wie Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Heidelbeeren usw. sind Dauerkulturen, die über viele Jahre hinweg ihre Früchte geben. Die Bäume und Sträucher ziehen sich im natürlichen Kreislauf des Jahres im Winter zurück, treiben im Frühjahr erneut aus, blühen und tragen wieder neue Früchte.
Es grünt so grün...
Auch viele Kräuter sind Vorreiter einer Terranen Ernährung. Petersilie, Schnittlauch, Majoran, Thymian und Lavendel zum Beispiel werden bei der Ernte dem Boden nicht entrissen, sondern wachsen nach, sie sind mehrjährig. Ebenso wachsen viele grüne Blattgemüse nach, wenn man die Blätter abschneidet, ohne dass die Pflanze deshalb abstirbt: Bärlauch zum Beispiel, Postelein, Löwenzahn, Brennnessel, Ampfer und Mangold zählen zu diesen Pflanzen, die man übrigens sehr schmackhaft sowohl als Salat als auch als Gemüse zubereiten kann. Viele Feinschmeckerlokale haben diese Wildsalate und Wildgemüse als neuen kulinarischen Trend ausgerufen, und Ernährungswissenschaftler loben die herausragenden gesundheitsfördernden Substanzen dieser grünen Blattpflanzen.
Von Knollen und Wurzeln
Topinambur, Meerrettich, Schwarzwurzel u.v.m. vermehren sich durch Ableger,
eben durch ihre Knollen. Entnimmt man nun bei der Ernte nur einen Teil der
Knollen und belässt den anderen Teil im Boden, lebt die Pflanze weiter,
wie es ihrer Art entspricht. Bei Topinambur oder Schwarzwurzel genügen
sogar nur einige Wurzelreste im Boden, um eine üppige Vermehrung zu
gewährleisten.
Fruchtgemüse sind unsere beliebten Tomaten, Auberginen, Paprika, Zucchini
usw., bei denen es gilt, ebenfalls einen mehrjährigen Rhythmus auszuprobieren.
Hier stellt sich die Aufgabe, die kalten Wintermonate zu überbrücken.
Getreidewiese – die Anbauform der Zukunft
Eine mehrjährige Pflanzengemeinschaft, die jeder kennt, ist die Wiese.
Es ist die Familie der Gräser, zu der auch unsere bekannten Getreidesorten
gehören. Schon vor der Ernte der reifen Ähren zieht die Getreidepflanze
ihre Energie zurück – aus dem Halm wird Stroh.
Getreide stammt botanisch gesehen von den Gräsern ab, ist mehrjährig
und treibt nach jedem Schnitt wieder neu aus, die Wurzeln bleiben als Dauerkultur
im Erdreich. Um auch im Getreideanbau wieder zurück zur Natur zu finden,
legen wir Versuchsfelder an, um Erfahrungen zu sammeln, ob sich eine Art
»Getreidewiese« entwickelt, wenn wir auf Bodenbearbeitung weitgehend
verzichten.
Melde, Brennnessel und Guter Heinrich
Obst, Beeren, Knollen, Kräuter, Blatt- und Fruchtgemüse, Getreide... die Terrane Ernährung hat, wie man sieht, keinen eintönigen Speiseplan zur Folge. Wer erst einmal Feuer gefangen hat und wachen Auges weiter fragt und tiefer forscht, dem eröffnet sich eine Fülle ungeahnter Möglichkeiten einer vielfältigen Terranen Küche. Unendlich viele schmackhafte Gemüsepflanzen sind in Vergessenheit geraten oder werden als »Unkraut« herausgerissen und auf den Komposthaufen geworfen. Allein von den in unseren Breitengraden wild vorkommenden Pflanzen sind 300 Sorten essbar: z. B. die Vogelmiere mit ihrem Geschmack nach jungem Mais. Oder Löwenzahn und Brennnessel, die man als Feinschmecker-Spinat zubereiten kann. Ebenfalls köstlich als Salat oder wie Spinat: Gemüseampfer, Löffelkraut, Postelein, Hirschhornwegerich, Guter Heinrich... usw. Auch der Anbau von mehrjährigen Artischocken, von Grünspargel, Butterkohl, Chinawurzel, Erbsenstrauch, Indianerkartoffel u.s.w. ist in unseren Breiten möglich und wird auf den Höfen im Friedfertigen Landbau in dieser Saison schon einmal probiert.
Landwirtschaft ohne Pflügen
Auch die Art der Landwirtschaft wird sich im Zuge einer Terranen Ernährung Schritt für Schritt wandeln. Zum Beispiel wird der Boden immer weniger, wenn möglich gar nicht bearbeitet. »Warum das?«, fragt sich, wer gelernt hat, dass durch Umpflügen immer wieder Sauerstoff in den Boden gebracht werden müsse. Einen intakten Boden kann man sich vorstellen wie ein Haus mit verschiedenen Stockwerken. Im Keller die Vorräte, im Erdgeschoss das Wohnzimmer, die Küche, in den oberen Stockwerken die Wohnräume, Balkons usw. Alles ist eingerichtet, alles ist an seinem Platz: Der Kühlschrank steht in der Küche, der Schreibtisch im Arbeitszimmer usw. Ähnlich ist es mit dem Boden und seinen Schichten. Die Mikroorganismen und Kleinstlebewesen haben sich in ihrer jeweiligen Schicht optimal eingerichtet und alles darauf abgestimmt, der Pflanze bestmöglich zu dienen, ihr alles bereitzustellen, was sie benötigt. Es ist ein reges Zusammenwirken von Abermillionen Helfern, die den Boden fruchtbar machen: Kleinstlebewesen, Würmer, Wurzelhaarsysteme und Pilzgeflechte – für uns unsichtbar, aber lebensnotwenig für Boden und Pflanze. Gräbt man nun diese Erdschichten um, kehrt man das Unterste zu oberst, wird der Boden ebenso durcheinander gebracht, als würde man ein Haus auf den Kopf stellen und die gesamte Einrichtung durcheinander werfen. Der Aufwand, alles wieder zu ordnen, ist, wie man sich leicht vorstellen kann, sehr groß...
Die Voraussetzung für eine Landwirtschaft ohne bzw. mit geringer Bodenbearbeitung ist natürlich, dass das Bodenleben intakt ist, dass eine gesunde, fruchtbare Humusschicht geschaffen wird. Im Friedfertigen Anbau hat auch der Anbau in Dreifelderwirtschaft, bei dem jedes Feld jedes dritte Jahr brach liegt, das Erdreich gesunden lassen. So ist Ackerbau mit immer weniger Bodenbearbeitung ein weiterer Schritt zu einem Leben in Einheit mit der Natur.
Die Anbauweise der Zukunft
Die Terrane Ernährung kennzeichnet den Weg hin zur einer neuen Landwirtschaft, in der keine Pflanze dem Boden entrissen wird, sondern in der der Mensch die Früchte mehrjähriger Pflanzen erntet und die Pflanzen am Leben bleiben.
zurück zu Artikel zu Landwirtschaft | Artikelübersicht