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Die Rettung mehrerer Schafbabys

Im Winter 2002/2003

Anfang Januar war es richtig Winter geworden in fast ganz Deutschland, so auch im Spessart. Es herrschte seit einigen Tagen eisige Kälte und Schnee war auch gefallen. Es war an einem solchen kalten Tag, als uns eine Tierfreundin anrief und uns mitteilte, sie habe auf ihrem Arbeitsweg mitten auf einer freiliegenden, ungeschützten Fläche fünf Schafe und um diese herum mehrere kleine Lämmer entdeckt. Diese konnten der Größe nach zu urteilen erst wenige Tage alt sein.

Weit und breit sei kein Schutz bietender Unterstand auszumachen, auch keine »Ecke« Stroh, noch Heu und Wasser. Die Tierfreundin hatte in der kleinen Herde zwischen den Muttertieren zwei kleine schwarze Knäuel entdeckt, die im Schnee lagen: Es waren zwei eben erst geborene Schäfchen mit schwarzem, dünnem Fell. Die Schafmütter leckten ihre Jungen ab und versuchten sie dazu zu bewegen, aus dem Schnee aufzustehen. Das eine Mutterschaf war sichtlich geschwächt von der Anstrengung der letzten Wintertage und wahrscheinlich auch von der Geburt, denn es knickte selbst immer wieder mit den Vorderbeinen ein, so dass sie kopfüber in den Schnee strauchelte. Tapfer versuchten die beiden Lämmchen ihre verhältnismäßig langen Steckenbeine zu sortieren und aufzustehen.

Es war für uns sofort klar, dass der Besitzer seine Fürsorgepflicht nicht nur vernachlässigte, sondern die Tatsache, dass er diese kleine Herde Schafe mitsamt den Jungtieren in diesen winterlichem Zustand sich selbst überlassen hatte, eine Tierquälerei war.

Weil die kleinen Schäfchen bald zum Schlachter gekommen wären, kauften wir die kleine Schafherde dem Besitzer ab.

Umgehend riefen wir die Polizei an. Diese leitete weiter an das zuständige Veterinäramt. Dem zuständigen Mitarbeiter dort mussten wir nicht lange erklären, was vorgefallen war. Diesem war der Besitzer der Schafe schon bekannt, weil er ihm schon vor einiger Zeit sogar ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen hatte. “Wer Tiere bei so einem Wetter auf eine freie Koppel ohne Witterungsschutz stellt, der fügt ihnen erhebliche Schmerzen und Leiden zu”, das stellte auch der Mitarbeiter des Veterinäramtes fest. Wo die Schafe besser untergebracht würden, das wisse er auf die Schnelle allerdings auch nicht.
Nachdem der Besitzer auch einige Stunden später nicht bereit war, den Schafen einen Unterstand zu bieten, boten wir dem Veterinäramt an, die kleine Schafherde bei uns aufzunehmen. Der zuständige Mitarbeiter war froh über diese Lösung.

So wurde der Hänger für den Transport startklar gemacht, und wir machten uns auf den Weg zu der Weide. Es begann schon dunkel zu werden, als wir dort ankamen. Unruhig bewegte sich die kleine Herde im Schnee auf und ab und beobachtete uns. Wir brachten sie schnell dazu, in den Hänger zu gehen.
Am Hof angekommen, bauten wir einen Teil des geräumigen Pferdestalls kurzerhand zu einem gemütlichen Schafstall um. Wir legten viel Stroh aus, stellten frisches Heu und Wasser bereit und hängten Wärmelampen auf. Die kleine Schafherde bezog dann auch gleich den Stall und fühlte sich von der ersten Minute an sichtlich wohl darin.
Auch unsere Tierärztin kam gleich dazu, um die Schafe zu untersuchen: Sie stellte bei allen Mutterschafen eine Unterernährung und schlecht gepflegte Hufe fest. Ein Muttertier lahmte aufgrund der Hufe, bei einem anderen war das Euter total vereitert und entzündet. Ihr neugeborenes Schäfchen wäre verhungert und so gaben wir Milchersatz mit der Nuckelflasche, was dieses auch gerne annahm.

Das Veterinäramt konnte dem ehemaligen Besitzer kein nochmaliges Tierhaltungsverbot aussprechen, da für Tiere in solchen Fällen keine Rechtsgrundlage besteht und immer noch als »Sache« gelten.
Es blieb uns nur übrig, dass wir ihm alle Schafe abkauften, weil wir sonst die Schafe hätten zurückgeben müssen. Das hätte zumindest für die kleinen Schäfchen den Tod bedeutet, denn sie wären bald zum Schlachter gekommen.

Inzwischen lebt die Schaffamilie schon zwei Wochen bei uns. Der Gesundheitszustand der Schafmütter hat sich erheblich verbessert, ihre verhärteten und vernachlässigten Klauen sind ebenfalls auf dem Weg der Besserung.

Die kleinen Schäfchen werden von Tag zu Tag lebendiger, toben putzmunter im Stall umher, um sich dann wieder eng aneinander geschmiegt unter die Wärmelampen zu kuscheln. Für uns ist es jeden Tag aufs neue schön, das Mutterglück und das »Familienleben« der kleinen Schafherde mitzuerleben.

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Bilder: ©  Heimat für Tiere e.V.